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Erinnerung

Mein Name ist Martin Kühner und seit ich mein dreizehntes Lebensjahr vollendet hatte, wollte ich eine Sache mehr als alles andere. Ich wollte Meschen töten. Wenn man mich heute fragen würde, warum, ich hätte keine Antwort. Vielleicht aus Hass, entstanden durch meine Kindheit. Vielleicht aus Neugier. Ich kann es beim besten Willen nicht genau sagen. Meine erste Erinnerung, und ich meine aktive Erinnerung, ist, wie ich diesen Gedanken, diese unvorstellbare Lust, das erste Mal empfunden habe. Nur konnte ich nicht einordnen, was genau mit mir geschehen muss. Ich war Dreizehn. Verwirrt durch den stetig fortwährenden Kampf der Hormone, den man Pubertät nennt. Wir waren im Wald unterwegs. Wir, das waren Thomas und ich. Thomas war ein Junge aus der Nachbarschaft, den ich schon seit dem Kindergarten kannte. Keineswegs ein Freund. Ich bin eher skeptisch, was Freunde betrifft. Fragt man mich nach Freunden, so ist meine Antwort stets die gleiche. Freunde habe ich nicht. Ich kenne nur viele Menschen. Thomas und ich waren im Wald. Es war still. Kalt. Und irgendwie waren wir nur für uns. Meine Hand fing an zu kribbeln. Sie wanderte in Richtung Hosentasche. Thomas stand mit dem Rücken zu mir. er warf Steine in einen kleinen Bach, der durch den Wald führte. Meine Hand tastete in meiner Tasche umher. Mein Messer? Was wollte sie damit? Mir war nicht nach schnitzen zumute. Was also sollte ich mit meinem Messer? Sie zog es sachte aus meiner Hosentasche und klappte es auf. Ganz sanft und leise. Meine Beine trugen mich näher und näher an Thomas heran. Meine Hand samt Messer erhob sich in Höhe seines Halses. Ein Stich und er wäre tödlich verwundet. Er würde ganz einfach in den Bach fallen. Sein Blut würde das Wasser punktuell rötlich färben, während er ganz einfach erstickt. Wir sind allein. Niemand würde es sehen, geschweige denn hören. Nur noch ein paar Zentimeter und dann... Was war das? Ein surrendes Geräusch näherte sich. Mein Messer verschwand in der Tasche. Spaziergänger samt Hund mit surrender Flexleine. Was war mit mir los?
12.8.13 01:13


Pein

Wie verwirrend und sogleich schockierend dieser erste Anflug von Mordlust auch war, so hat er mir doch gezeigt, dass ich eine Rolle habe. Wie viele Menschen fühlen, dass sie keine Bestimmung haben? Wie viele Menschen macht eben das unglücklich? Sollte mich glücklich machen, was so viele andere Menschen nicht einmal im Traum wagen würden? Muss ich erst das Leben eines anderen nehmen, um inneren Frieden zu finden? Ja. Ich sollte noch früh genug merken, dass ein Kampf gegen mich, gegen mein Biest, sinnlos ist. Es vergingen 6 lange und leere Jahre, nach dem ersten aufkeimen meiner Gier nach Blut und trüb werdenden Augen. Dann endlich hatte ich eine weitere Gelegenheit. Eine Familie. Vater, Mutter und Kind. Sie waren neu in der Gegend. Ein Abziehbild der perfekten Familie, wenn es so etwas überhaupt gibt. Sie hatten ein protziges Haus am Ende der Straße bezogen. Mein Biest wollte sie. Ich wollte mein Biest zufrieden stellen. Es ruhig stellen. Machen, dass es aufhört mir die Eingeweide anzufressen. Ja. Wenn ich nicht machte, was mein Biest verlangte, litt ich wahrlich Schmerzen. Und eines Nachts war es soweit. Ich verließ die Wohnung. Langsam, fast schon lautlos schritt ich in Richtung des Hauses der Familie des Jahres. Das Gartentor war nicht verschlossen. Meine Blicke wanderten die Fassade rauf und runter. Ich brauchte einen Einstieg. Das Küchenfenster war nicht verschlossen. Ich stieg behutsam ins Haus. Es war still. Nichtmal die Grillen zirpten. Der Messerblock leuchtete im Mondlicht auf und lachte mich an. Ich begutachtete das Angebot gründlich. Ich entschied mich, aus welchem Grund auch immer, für ein kleines und dünnes Filetiermesser. Langsam bewegte ich mich auf die offen stehende Schlafzimmertür zu. Das gleichmäßige Atmen des Elternpaares durchschnitt die Stille. Ich pirschte mich ans Bett. Beugte mich über den Vater, das Messer im Anschlag. Langsam führte ich die Klinge zum Hals. Meine Hand war ganz ruhig. Kein Anzeichen von Nervosität. Ein sauberer Schnitt, wie durch Butter. Eins. Zwei. Das rhythmischen Atmen der Eltern wich abwechselnd aufschlagendem Röcheln. Abwechselnd und stetig im Takt bleibend verröchelte das Elternpaar. Bis aus dem Röcheln ein Gurgeln und aus dem Gurgeln Stille wurde. Mit weit aufgerissenen Augen lagen sie da. Das einst weiße Bettlaken nun rot. Eine Silhouette in der Tür. Das Kind. Ein kleiner Junge stand da. Schweigend. Aber ein Kind ist etwas anderes. Obgleich ich soeben seine Seele getötet hatte, konnte ich ihm kein Haar krümmen. Kinder töten, das konnte ich nicht und würde ich nie können. Und das wollte ich auch nie. Ich ging. Ohne ein Wort zu sagen entschwand ich in die Nacht. Ich wusste, er würde mich finden, wenn er alt genug ist. Und trotzdem schlief ich die Nacht durch. Das erste Mal seit 6 Jahren.
12.8.13 01:13


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